Bankenstresstest und Business Intelligence – Teil I

2020 ist es voraussichtlich wieder soweit: Der EU-weite Bankenstresstest steht an – die Vorbereitungen werden hingegen sehr viel früher beginnen. Wie genau ein Bankenstresstest abläuft, wie Banken sich am besten darauf vorbereiten und was Business Intelligence damit zu tun hat, verraten wir auf unserem Blog.

Bankenstresstests: Baseline- und Adverse-Szenarios

Stresstests sind dazu da, die Leistungsfähigkeit von Organisationen unter erschwerten Bedingungen zu prüfen. Für den Bankensektor haben solche Prüfungen spätestens seit der Finanzkrise 2007 an Bedeutung gewonnen. Seitdem unterziehen sich europäische Banken regelmäßig den von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde koordinierten Tests, um die Stabilität des Bankensystems sicherzustellen. Zum einen werden dabei die Risiken der Bankbilanzen sowie die Werthaltigkeit von Krediten untersucht. Wichtiger ist jedoch die darauffolgende Simulation zweier unterschiedlicher Szenarien, in denen Kennzahlen wie BIP, Inflation, Arbeitslosigkeit, Immobilienpreise und Zinssätze angepasst werden. Im Basisszenario spiegelt sich die voraussichtliche wirtschaftliche Entwicklung der nächsten drei Jahre wider, entsprechend der Annahmen der Europäischen Zentralbank. Zudem wird ein Stressszenario (Adverse-Szenario) simuliert, das von dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken bereitgestellt wird. Teile dieses Szenarios können zum Beispiel eine sehr starke Rezension und ein Zusammenbruch der Finanzmärkte sein. Die zentrale Kennzahl des Bankenstresstests ist die Kernkapitalquote. Diese gibt an, zu wie viel Prozent die Risikopositionen der Bank durch Eigenkapital gedeckt sind. Bei einer bestimmten Quote (zum Beispiel unter 6 %) gilt der Test als nicht bestanden.

Solche Untersuchungen können auf der Mikro- oder der Makroebene durchgeführt werden, also entweder intern von den Banken selbst koordiniert oder von externen Stellen wie der Deutschen Bundesbank gesteuert. Da interne Untersuchung immer der Gefahr unterliegen, verfälscht oder verwässert zu werden, sorgen externe Untersuchung für einen vergleichbaren Standard über verschiedene Banken und sogar Länder hinweg.

Ergebnisse und Konsequenzen

Die Ergebnisse dieser Tests geben Aufschluss über die Sicherheit einzelner systemkritischer Banken und – daraus folgend – auch des gesamten Finanzsystems. Risiken werden identifiziert und lassen sich frühzeitig beheben. Bei Nicht-Bestehen des Stresstests werden daher bankenspezifische Maßnahmen eingeleitet, um das verfügbare Eigenkapitel zu steigern, zum Beispiel durch den Verkauf von Aktien, staatliche Unterstützung oder eine Umstrukturierung der Geschäftsbereiche. Sollte die Bank dem nicht nachkommen, kann im schlimmsten Fall jedoch die Schließung drohen.

Solch komplexe Simulationen erfordern offensichtlich Tausende von externen Experten. In unserem nächsten Blogbeitrag erfahren Sie daher, welche Rolle Business-Intelligence-Kalkulationen und -Auswertungen in Bankenstresstests spielen.

By | 2019-03-28T11:56:39+00:00 28. März 2019|Categories: BI Know-how|